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BIPOLARE STÖRUNG VERSTEHEN

Mehr als Stimmungsschwankungen.

Bei einer bipolaren Störung wechseln sich Phasen extremer Hochstimmung oder Getriebenheit mit tiefen Depressionen ab. Sie dauern oft Wochen oder Monate und kommen meist ohne erkennbaren Anlass. Dazwischen können lange stabile Zeiten liegen. Die Erkrankung ist gut behandelbar, begleitet Betroffene aber meist ein Leben lang.

Was ist eine bipolare Störung?

Eine bipolare Störung ist eine Erkrankung der Stimmung und des Antriebs. ‚Bipolar' heißt ‚zwei Pole': Betroffene erleben Phasen, in denen sie extrem aufgedreht oder gereizt sind, und Phasen tiefer Niedergeschlagenheit. Früher sprach man von ‚manisch-depressiv'.

Mit Launenhaftigkeit oder Charakterschwäche hat das nichts zu tun. Die Erkrankung entsteht aus einer Veranlagung; Auslöser wie Stress oder Schlafmangel können einzelne Phasen anstoßen. Sie beginnt meist im jungen Erwachsenenalter.

Die zwei Pole

Manie und Hypomanie

Kaum Schlaf nötig und trotzdem voller Energie. Gedanken rasen, Pläne werden immer größer, Entscheidungen riskanter – etwa teure Käufe oder spontane Kündigungen. Manche werden vor allem gereizt.

Die leichtere Form heißt Hypomanie. Sie fühlt sich oft gut an – und wird deshalb selten als Teil der Erkrankung erkannt.

Depression

Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schlafprobleme, Rückzug. Alltägliches wird zur Kraftanstrengung.

60 bis 80 % der bipolaren Störungen beginnen mit einer Depression.1 Deshalb wird die Erkrankung oft erst spät richtig erkannt.

Beides kann auch gleichzeitig auftreten. Fachleute sprechen dann von Mischzuständen.

Vereinfachte Darstellung – jeder Verlauf ist anders.

Stimmung und Antrieb steigen über Tage oder Wochen an oder sinken ab. Oft kündigt sich eine Phase durch kleine Veränderungen an, etwa weniger Schlaf. Danach kehrt die Stimmung meist in einen ausgeglichenen Bereich zurück. Auf eine manische Phase folgt allerdings häufig eine depressive. Bei manchen Menschen wechseln die Phasen sehr schnell, viermal im Jahr oder öfter. Fachleute sprechen dann von Rapid Cycling.

Phasen kündigen sich an

Mindestens 80 % der Betroffenen können eines oder mehrere Vorboten-Anzeichen benennen. Das häufigste frühe Zeichen einer Manie ist veränderter Schlaf. Manische Vorboten dauern im Schnitt über 20 Tage.2

Auf ein Hoch folgt oft ein Tief

Bei einem Drittel bis der Hälfte der Menschen mit Bipolar-I-Störung folgt auf eine Manie innerhalb weniger Wochen eine Depression.3

Manchmal wechseln die Phasen schnell

Treten vier oder mehr Phasen innerhalb von zwölf Monaten auf, spricht man von Rapid Cycling. Das betrifft einen Teil der Betroffenen, oft nur für eine gewisse Zeit.4

Verschiedene Formen

Bipolar-I-Störung

Mindestens eine ausgeprägte manische Phase. Meist kommen depressive Phasen hinzu.

Bipolar-II-Störung

Depressive Phasen und leichtere Hochphasen (Hypomanien), aber keine volle Manie. Die depressiven Phasen stehen oft im Vordergrund – leichter ist diese Form deshalb nicht.

Zyklothymie

Über lange Zeit wiederkehrende, leichtere Stimmungsschwankungen nach oben und unten, die nicht die volle Ausprägung einer Manie oder Depression erreichen.

WIE HÄUFIG

36 Mio.

Menschen weltweit leben mit einer bipolaren Störung.5

rund 2,5 Mio.

Menschen in Deutschland sind betroffen – geschätzt, einschließlich leichterer Formen.1

8–10 Jahre

vergehen im Schnitt bis zur richtigen Diagnose.1

WAS SIE IM ALLTAG BEDEUTET

etwa 50 %

der Zeit haben Betroffene Symptome, meist depressive.6

40–60 %

der Betroffenen sind berufstätig.7

rund 50 %

erleben trotz guter Behandlung innerhalb von zwei Jahren eine neue Phase.8

Was die Erkrankung für das Leben bedeuten kann

Eine bipolare Störung betrifft nicht nur die Stimmung. Sie kann in alle Lebensbereiche hineinwirken – auch in Zeiten, in denen es Betroffenen scheinbar gut geht.

Die Weltgesundheitsorganisation zählt bipolare Störungen zu den zehn Erkrankungen, die weltweit am häufigsten zu dauerhaften Einschränkungen führen.1 Gleichzeitig gilt: Mit passender Behandlung leben viele Betroffene lange stabil. Entscheidend ist, Veränderungen früh zu erkennen.

Wie sie behandelt wird

Die Behandlung ruht meist auf zwei Säulen, die sich ergänzen.

Medikamente

Grundlage der Behandlung sind meist Stimmungsstabilisierer wie Lithium, oft ergänzt durch weitere Psychopharmaka. Viele Betroffene nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig.13 Die passende Kombination zu finden, braucht Geduld: Dosierungen werden angepasst, Wirkstoffe gewechselt, Blutwerte kontrolliert. Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Zittern können sehr belasten.

Wichtig: Medikamente nie eigenmächtig absetzen. Veränderungen immer mit den Behandelnden besprechen.

Psychotherapie

Ergänzend empfiehlt die S3-Leitlinie Psychoedukation und Psychotherapie, zum Beispiel kognitive Verhaltenstherapie.14 Dort lernen Betroffene, ihre persönlichen Frühwarnzeichen zu erkennen, einen Krisenplan zu erstellen und Alltag und Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren. Auch Angehörige können einbezogen werden.

Warum der Verlauf so wichtig ist

Frühwarnzeichen sind bei jedem Menschen anders, und über Monate verliert man leicht den Überblick. Selbst unter guter Behandlung erlebt etwa die Hälfte der Betroffenen innerhalb von zwei Jahren eine neue Phase.8 Wirkt die neue Dosis? Seit wann schläft jemand schlechter? Genau diese Informationen macht PHASE sichtbar – als Grundlage für das Gespräch mit den Behandelnden.

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Apps auf Rezept richten sich an psychische Erkrankungen.

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davon an bipolare Störungen.1516

Zur Analyse

Stand: September 2026

Hilfe und weitere Informationen

Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e. V.

Informationen, Selbsthilfegruppen und Beratung für Betroffene und Angehörige.

dgbs.de

In einer akuten Krise

Notruf 112Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 (kostenfrei, rund um die Uhr)

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e. V.: Verlauf, Bedeutung und Diagnose der bipolaren Störung; Informationen für Behandelnde. https://dgbs.de/bipolare-stoerung/verlauf · https://dgbs.de/fileadmin/cust/dgbs-materialien/DGBS-Hausarztbroschuere_web.pdf
  2. Jackson A, Cavanagh J, Scott J (2003): A systematic review of manic and depressive prodromes. J Affect Disord 74(3):209–217. https://doi.org/10.1016/S0165-0327(02)00266-5
  3. Depression following mania (2016). Molecular Psychiatry. https://www.nature.com/articles/mp201663
  4. MSD Manual Profi-Ausgabe: Bipolare Störungen. https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/psychiatrische-erkrankungen/affektive-störungen/bipolare-störungen
  5. WHO (2025): Mental disorders – Fact Sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/mental-disorders
  6. Judd LL et al. (2002): The long-term natural history of the weekly symptomatic status of bipolar I disorder. Arch Gen Psychiatry 59:530–537 · Judd LL et al. (2003): Long-term symptomatic status of bipolar I vs. bipolar II disorders. Int J Neuropsychopharmacol. https://doi.org/10.1017/S1461145703003341
  7. Marwaha S et al. (2013): Employment outcomes in people with bipolar disorder: a systematic review. Acta Psychiatr Scand. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23379960/
  8. Perlis RH et al. (2006): Predictors of recurrence in bipolar disorder (STEP-BD). Am J Psychiatry 163(2):217–224. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.163.2.217
  9. Predictors of employment in bipolar disorder: a systematic review (2012). J Affect Disord. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165032712005162
  10. The Impact of Bipolar Disorder on Couple Functioning: A Systematic Review (2021). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8400362/
  11. Life expectancy and years of potential life lost in bipolar disorder: systematic review and meta-analysis (2022). Br J Psychiatry. https://www.cambridge.org/core/journals/the-british-journal-of-psychiatry/article/life-expectancy-and-years-of-potential-life-lost-in-bipolar-disorder-systematic-review-and-metaanalysis/3C1A114F0B3E703984F95FDE7D68B171
  12. All-cause and cause-specific mortality among people with bipolar disorder: a systematic review and meta-analysis (2023). Molecular Psychiatry. https://www.nature.com/articles/s41380-023-02109-9
  13. A Systematic Review of Complex Polypharmacy in Bipolar Disorder. J Clin Psychiatry. https://www.psychiatrist.com/jcp/systematic-review-complex-polypharmacy-bipolar-disorder-prevalence-clinical-features-adherence-preliminary-recommendations-practitioners/
  14. DGBS & DGPPN: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, AWMF-Register 038-019. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-019
  15. Scoping Review zur Identifikation und Bewertung verfügbarer digitaler Anwendungen bei bipolarer Störung (2025). Der Nervenarzt. https://doi.org/10.1007/s00115-025-01857-z
  16. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) bei psychischen Erkrankungen (2025). Der Nervenarzt. https://link.springer.com/article/10.1007/s00115-025-01872-0

Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Stand: September 2026